Jedermann und Niemand

Heute mal etwas zum Thema Selbstfindung.

Wer / Wie bin ich ?

Wer / Wie bin ich ?

Kennt ihr das Gefühl wenn ihr nicht wisst „wer“ oder „wie“ ihr eigentlich seid ? Sicher kennen dieses Gefühl viele, doch in meinem Fall ist es denke ich noch etwas komplexer.

Zum Beispiel ist es etwas Gutes wenn man sich für viele verschiedene Dinge interessiert, alles ausprobieren möchte und mit Menschen aus so gut wie allen „Szenen“ oder „Schichten“ reden/disskutieren möchte. Man hat dann den großen Vorteil sich mit so gut wie jeder Person anfreunden zu können, bzw. über jedes Thema etwas zu wissen und darüber sprechen zu können. Doch genau dies birgt die Gefahr dass man früher oder später „sich selbst verliert“, dass man sich die Fragen stellt was möchte ich eigentlich wirklich und wer bin ich eigentlich oder anders gesagt wie bin ich eigentlich selbst.

Ich denke es ist im Menschen insgeheim manifestiert dass er sich kategorisieren bzw. einordnen lassen will, was man einfach merkt wenn man sich mit „Szenen“, Jugend(sub)kulturen oder Vereinen/Clubs beschäftigt. Es gibt einem eine gewisse Bestätigung, von den anderen Mitgliedern akzeptiert und verstanden zu werden. Der Mensch ist ein Herdentier, doch es gibt natürlich jene die aus diesem Schema ausbrechen wollen und ihren eigenen Individualismus feiern. Doch sind diese Menschen nicht genauso wie jene, die sie selbst verurteilen ? Sie sind sosehr darauf bedacht nicht einordenbar zu sein, dass sie eigentlich ebenfalls leicht zu beschreiben bzw. in eine Schublade zu stecken wären.

Das langwierige Thema der Selbstfindung, hatte ich dann eigentlich abgeschloßen mit dem Gedanken „Man ist wie man zu jenem Zeitpunkt sein möchte.“, doch klarerweise sind solche Themen nur schwer im realen Leben mit einem Satz umzusetzen, vor allem wenn es um Zwischenmenschliches geht.

Definition der Realität des Menschen

Realität abschaffen ?

Welche Realität ?

Der Mensch hat eine nicht zu verachtenden Vorteil gegenüber dem von ihm selbst als eher minderwertig abgestuften Tier, er ist in einem viel höheren Maß lernfähig. Doch angesichts der Tatsache dass sich die Geschichte des Menschen unweigerlich wiederholt, und er somit über Generationen immer wieder dieselben Fehler macht, verliert diese positive Eigenschaft doch sehr an wert.

Wir leben nun in einer interessanten Zeit, in der es glücklicherweise oftmals der Fall ist dass wir gewisse Sachen wie Ratschläge, Lehren oder vermeintliche Tips hinterfragen. Allerdings hat der Mensch zu diesem Zeitpunkt der Geschichte das Verlangen abgelegt nach Antworten zu suchen, bzw. durch die Flut an Informationen welche oftmals wissenswert und lehreich sein könnten, das einfache Zuhören, Denken und Verstehen verlernt / mehr oder weniger in den Hintergrund gestellt.

Es ist am Beispiel der Kunst gut zu sehen : Die Kreatur Mensch geht nicht ins Kino, liest Bücher, hört Musik oder sieht Filme im Allgemeinen um sich zu bilden oder selbst mehr und mehr zu verstehen. Er/ Sie / Es sucht in diesen Formen jene Dinge die er / sie / es nicht vermag zu finden oder gar zu sehen im wahren Leben der gefühlskalten Realität.

Der Mensch nimmt die Kunstformen für sich selbst nichtmehr war und lagert jede eventuelle Lehre in einem „Paralleluniversum“ ab, welches für den „befreiten“ Menschen einer Müllhalde gleichen würde. Es sind arme Kreaturen, jene die sich als Realisten bezeichnen, und sich in ihrer eigenen Realität verstecken um das eigentlich wünschenswerte abzublocken aber dies nicht als Heuchelei ansehen.

Vereinfacht auf ein Thema bezogen: Romantik, Phatos, Kitsch. Sehen wir so etwas auf der Leinwand, geht es uns gut, wir fühlen uns bestätigt obwohl uns bewußt ist dass diese Dinge nur gespielt und nicht die Wirklichkeit darstellen. Doch was ist die Wirklichkeit ? Wollen wir etwa keine Romantik in unserem Leben weil wir sie wirklich nicht wollen, oder etwa weil wir denken es gäbe sie nur etwa in Filmen ? Versperren wir uns nicht der Möglichkeit, falls wir dies denken, dass jene Momente auch im echten Leben passieren können und sind wir dann überhaupt noch in der Lage diese als „echt“ zu erkennen ?

Albumtip : Morcheeba – Dive Deep

Für einige von euch dürfte der Name Morcheeba alte Erinnerungen wecken, an entspannende Momente (Auch wenn nachgeholfen wurde mit natürlich legalen Stimmungsaufhellern ;) ). Morcheeba, eine der alten wirklich großen Bands, wie etwa Massive Attack, haben ihr aktuellstes Album im Jahre 2007 veröffentlicht. Auch wenn einige Stammhörer die über die Jahre liebgewonnene Skye Edwards mit ihrer romantischen, verführerischen Stimme seit dem Vorletzten Album vermissen, möchte ich ihnen trotzdem den Rat geben „Dive Deep“ eine Chance zu geben.

Die Godfrey Brüder besinnen sich auf alte Stärken, ohne allerdings zu langweilen, dass sie trotzdem Platz für Abwechslung lassen zeigt die Liste der Gastmusiker auf dem Album, unter anderem : Judy Tzuke, Thomas Dybdahl, Bradley, Manda. Man sieht an diesem Album fast zu gut wie sehr sich die Musik ändert mit dem Sängerwechsel, jeder bringt sein eigenes Feeling in die solide Basis der Godfrey’s ein.

Besonders hörenswert finde ich als Anspieltips : Enjoy the Ride, Riverbed, Run Honey Run, welche alle auf der Myspace-Seite von Morcheeba verfügbar sind.

Berichte über Musik sind immer sehr subjektive Dinge, deswegen empfehle ich euch, hört euch die Songs an, lehnt euch zurück, und entspannt mal wieder ;) .

Fazit: Stagnation auf hohem Niveau, mit interessanter Gasteinwirkung.

Filmtip des Monats

Endlich hab ich die Zeit gefunden mir „Brick“ anzusehen. Im Vorfeld schon mit Lorbeeren überschüttet, hieß es etwa dass dieser Film ein mehr als positives Lebenszeichen für das „film noir“-Genre sei. Nun nachdem ich den Film schon mehr als einmal durch habe kann ich beruhigend sagen…ANSEHEN !!!

Seit langem nichtmehr hat es ein Film geschafft mich so an den Schirm zu fesseln und mich von Kopf bis Fuß in so eine düstere Atmosphäre einzutauchen. „Brick“ schafft es die klischeehaften Rahmenbedingungen jenes Genres auf ein Szenario einer amerikanischen Highschool gekonnt umzumünzen, ohne jedoch zu dick aufzutragen oder gar kitschig zu wirken. Nicht umsonst wurde der Film ausgezeichnet mit einem Sundance Award, und dies zurecht.

Kurz zum Inhalt:

„An einer südkalifornischen Highschool fristet Brendan Frye ein selbst gewähltes Außenseiter-Dasein. Als eines Tages seine Ex-Freundin auf mysteriöse Weise verschwindet, begibt er sich auf Spurensuche und seziert das Cliquensystem der Highschool. Dabei wird er von betörenden Girls betrogen, bekommt es mit einem brutalen Schläger zu tun, und landet in den Armen des Drogenbarons The Pin. Doch Einzelkämpfer Brendan denkt gar nicht daran, sich jemandem unterzuordnen. Er sucht so lange weiter, bis er der grausamen Wahrheit gegenüber steht.“

5/5 Justin Stars ¤  - Trailer

Zum Schluß bleibt mir nurmehr eins zu sagen: Bitte mehr davon!

Justin Music 2008 – Top 5 Alben im letzten Jahr

Augustana – Can’t Hurt, Can’t Love

Death Cab For Cutie – Narrow Stairs

TV on the Radio – Dear Science

Zox – Line in the Sand

Fleet Foxes – Fleet Foxes

Ich möchte hierbei anmerken dass es kein Reihenfolge gibt, es würde mir doch zu schwer fallen ;) .

Nun denn, ich hoffe ihr habt dazu auch euren Senf abzugeben, rein damit in die Comments.

Stadtflucht

So, nachdem dies mein erster Artikel ist, möcht ich ohne lange Umschweife eine nette Geschichte erzählen.

Als halber Stadtjunge, oder besser halber Landjunge, je nachdem welches von beiden das Wasser in diesem Glas darstellt, freute ich mich sehr als mich ein guter Freund fragte ob ich ihn nicht begleiten möchte nach Linz, da er dort seinen leiblichen Vater zum 2. Mal nach langer Zeit treffen würde. Eigentlich streubte ich mich anfangs dagegen, da ich so schon unter Stress stand und ich weder die Gefühlsausbrüche ala Vater-Sohn-Wiedervereinigung,  noch die Hektik der „Großstadt“, ob man Linz nun zu solcher zählt oder nicht sei dahin gestellt, brauchte.

Nachdem wir ankamen lies ich die beiden unter vier Augen reden und seilte mich ab um wieder die Pflastersteine der berüchtigten Landstraße unter meinen Füßen zu spüren. Ich machte halt vor einem meiner Lieblingsläden Thalia, welcher den alten Buchwürmern noch als Amadeus bekannt sein dürfte. Es war interessant zu sehen dass nicht nur die klischeehafte Kundschaft mit dicken Brillen oder Dandylook vertreten waren, sondern auch auch Vertreter junger Subkulturen wie den derzeit leider soweit verbreiteten „Krochan“ mit „Voki“ und Neonkappen. Doch am meisten musste ich schmunzeln als ich sah dass diese Menschen nicht vor Büchern der Kategorie „selbst-lesbar-wenn-hirntot“ stehen blieben, sondern in die Welt von Orwell, Zephaniah und Gibson eintauchen wollten. Ich denke an diesem Beispiel sieht man wieder dass selbst Jugendliche die sich einer bestimmten Szene verschrieben haben, die nicht gerade für einen reichen Wortschatz bekannt ist, selbstständig lernen, entdecken und denken wollen.

Wie ich nach diesem erheiternden Erlebnis wieder auf die Straße trat um meinem Selbstmord nachzuhelfen in Form von „Sargnägeln“, erfasst mich eine weitere interessante Tatsache. Ich bemerkte eine alte Frau gegenüber dem Buchladen, welche in einem Rollstuhl von ihrer Tochter (?) die Straße entlang gefahren wurde. Sie werden sich denken : „Was ist daran so besonders ?“, nun, die Antwort ist folgende : Trotz Eiseskälte und ihrer Gehschwäche grinste sie, als hätte sie zum ersten Mal in ihrem Leben die Sonne aufgehen sehen. Doch sie war nicht die Einzige, ein schwarzer CD-Verkäufer hinter mir, der die ganze Zeit über in der Kälte stand grinste ebenfalls. Dieses Detail wäre auch noch nicht so besonders, würden man die vielen anderen hunderte Menschen vergessen die ebenfalls diese jene Straße mit ihren eigenen Füßen entlang schritten und gerade nicht arbeiten mussten. Denn alle anderen Menschen  mit Ausnahme der zwei Erwähnten, sahen aus als würden sie ihre Mundwinkel in den Boden rammen wollen, um sich ein Grab zu schaufeln.

So fing ich auch langsam aber sicher an meine Backen zu heben und die Menschenmenge anzulächeln, und just in diesem Moment blickte mir ein alter Mann, welcher mir entgegenkam, in die Augen. Er blieb stehen und fragte wieso ich ihn denn angrinse, was für ihn wohl eine Art Provokation darstellte. Ich schmunzelte weiter vor mich hin und sagte nur zu ihm : „Die Frage ist nicht wieso ich grinse, sondern wieso du nicht grinst.“, und genau in diesem Moment als ich meinen Satz vollendet hatte begann der alte Mann ebenfalls seine Mundwinkel zu heben. Er blickte mich nun verständnissvoll an, schlug seine Augen einmal zusammen und ging weiter seinen Weg auf der Landstraße.

Ich fühlte mich nach diesem kleinen Erlebnis ruhiger und zufriedener und merkte erst zu diesem Zeitpunkt welcher Lärm um mich war. Ich schloß die Augen und hörte ein Meer aus Sohlen welche auf den Asphalt umher traten, Menschen die eilig und hektisch vom einen Ende der Straße zum anderen gelangen wollten. Es fügte sich nun wieder nahtlos das Sprichwort ein „Zeit hat man nicht, Zeit nimmt man sich„, was mir hier auch bewußt wurde, als ich mich in diesem Klangmeer wie eine Oase des Friedens empfand.

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