So, nachdem dies mein erster Artikel ist, möcht ich ohne lange Umschweife eine nette Geschichte erzählen.
Als halber Stadtjunge, oder besser halber Landjunge, je nachdem welches von beiden das Wasser in diesem Glas darstellt, freute ich mich sehr als mich ein guter Freund fragte ob ich ihn nicht begleiten möchte nach Linz, da er dort seinen leiblichen Vater zum 2. Mal nach langer Zeit treffen würde. Eigentlich streubte ich mich anfangs dagegen, da ich so schon unter Stress stand und ich weder die Gefühlsausbrüche ala Vater-Sohn-Wiedervereinigung, noch die Hektik der „Großstadt“, ob man Linz nun zu solcher zählt oder nicht sei dahin gestellt, brauchte.

Nachdem wir ankamen lies ich die beiden unter vier Augen reden und seilte mich ab um wieder die Pflastersteine der berüchtigten Landstraße unter meinen Füßen zu spüren. Ich machte halt vor einem meiner Lieblingsläden Thalia, welcher den alten Buchwürmern noch als Amadeus bekannt sein dürfte. Es war interessant zu sehen dass nicht nur die klischeehafte Kundschaft mit dicken Brillen oder Dandylook vertreten waren, sondern auch auch Vertreter junger Subkulturen wie den derzeit leider soweit verbreiteten „Krochan“ mit „Voki“ und Neonkappen. Doch am meisten musste ich schmunzeln als ich sah dass diese Menschen nicht vor Büchern der Kategorie „selbst-lesbar-wenn-hirntot“ stehen blieben, sondern in die Welt von Orwell, Zephaniah und Gibson eintauchen wollten. Ich denke an diesem Beispiel sieht man wieder dass selbst Jugendliche die sich einer bestimmten Szene verschrieben haben, die nicht gerade für einen reichen Wortschatz bekannt ist, selbstständig lernen, entdecken und denken wollen.
Wie ich nach diesem erheiternden Erlebnis wieder auf die Straße trat um meinem Selbstmord nachzuhelfen in Form von „Sargnägeln“, erfasst mich eine weitere interessante Tatsache. Ich bemerkte eine alte Frau gegenüber dem Buchladen, welche in einem Rollstuhl von ihrer Tochter (?) die Straße entlang gefahren wurde. Sie werden sich denken : „Was ist daran so besonders ?“, nun, die Antwort ist folgende : Trotz Eiseskälte und ihrer Gehschwäche grinste sie, als hätte sie zum ersten Mal in ihrem Leben die Sonne aufgehen sehen. Doch sie war nicht die Einzige, ein schwarzer CD-Verkäufer hinter mir, der die ganze Zeit über in der Kälte stand grinste ebenfalls. Dieses Detail wäre auch noch nicht so besonders, würden man die vielen anderen hunderte Menschen vergessen die ebenfalls diese jene Straße mit ihren eigenen Füßen entlang schritten und gerade nicht arbeiten mussten. Denn alle anderen Menschen mit Ausnahme der zwei Erwähnten, sahen aus als würden sie ihre Mundwinkel in den Boden rammen wollen, um sich ein Grab zu schaufeln.
So fing ich auch langsam aber sicher an meine Backen zu heben und die Menschenmenge anzulächeln, und just in diesem Moment blickte mir ein alter Mann, welcher mir entgegenkam, in die Augen. Er blieb stehen und fragte wieso ich ihn denn angrinse, was für ihn wohl eine Art Provokation darstellte. Ich schmunzelte weiter vor mich hin und sagte nur zu ihm : „Die Frage ist nicht wieso ich grinse, sondern wieso du nicht grinst.“, und genau in diesem Moment als ich meinen Satz vollendet hatte begann der alte Mann ebenfalls seine Mundwinkel zu heben. Er blickte mich nun verständnissvoll an, schlug seine Augen einmal zusammen und ging weiter seinen Weg auf der Landstraße.
Ich fühlte mich nach diesem kleinen Erlebnis ruhiger und zufriedener und merkte erst zu diesem Zeitpunkt welcher Lärm um mich war. Ich schloß die Augen und hörte ein Meer aus Sohlen welche auf den Asphalt umher traten, Menschen die eilig und hektisch vom einen Ende der Straße zum anderen gelangen wollten. Es fügte sich nun wieder nahtlos das Sprichwort ein „Zeit hat man nicht, Zeit nimmt man sich„, was mir hier auch bewußt wurde, als ich mich in diesem Klangmeer wie eine Oase des Friedens empfand.